Neue Brand unter bewährtem Format: das Lean Coffee geht in die 320. Runde

Das Jahr hat gefühlt gerade erst angefangen, die Leute sind aus ihren wohlverdienten Urlauben zurück, und die Projekte nehmen langsam Fahrt auf. Da kommt es gerade recht, dass auch der Lean Coffee wieder in die Vollen geht. Gehostet von uns, Sevenval powered by Avenga, habe ich mich diesmal bereit erklärt, meine Erfahrungen für euch zusammenzufassen. Es ist bereits meine zweite Teilnahme am Lean Coffee, und ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde. Was bewegt die Product Owner, Projektmanager*innen und agilen Coaches im Jahr 2020?

Wie beim Lean Coffee üblich, sammeln die Teilnehmenden zunächst Themen, zu denen sie frischen Input von anderen haben möchten. Auch diesmal lag ihnen viel auf dem Herzen, doch nur die Themen mit den meisten Punkten – verteilt nach Interesse der einzelnen Teilnehmer – werden auch tatsächlich auf die Agenda gepackt. Die von mir ausgewählten Themen haben es leider nicht geschafft (u.a. Performance Management), aber angesichts der folgenden spannenden Inhalte war das gar nicht schlimm.

Visionen: wie können diese den Entwicklungsprozess unterstützen?

Das erste Thema war die Frage, ob eine Vision bei der Priorisierung helfen kann – genauer gesagt die Portfolio-Version, also was die zu entwickelnden Produkte für den Kunden leisten sollten. Nach einer Runde an Verständnisfragen, kam heraus, dass (wenn man die Vision handlungsweisend nutzen möchte) man diese zunächst korrekt und verständlich an die Stakeholder kommunizieren sollte.

Am Ende wurde es dann noch mal existentiell: Die Teilnehmenden stellten die Frage, ob das Fallbeispiel überhaupt eine Vision darstellt und somit für die eingängige Fragestellung relevant ist. Und wenn es dann doch eine Vision ist, reißt diese Vision mit und weckt Emotionen beim Team und den Stakeholdern?

Agilität als kontinuierlicher Prozess

Danach folgte das Thema „Kann man agiler werden?” – kann man Agilität messen, steigern, verbessern? Aus dem Publikum kam gleich der Einwurf, dass das auf jeden Fall möglich ist, da Agilität kein Zustand, sondern ein stetiger Prozess sei. Außerdem wurden Unternehmen oder Teams in Frage gestellt, die an Methoden und Prozessen festhalten, „weil man das schon immer so getan habe”. Dabei sollte man aber auch im Blick behalten, warum man sich überhaupt verändern möchte. Wenn, dann sollte man sich „mit Sinn” transformieren. Eine Möglichkeit ist es hier anhand von Metriken zu beobachten, wo man stand und wie effektiv potentielle Veränderungen sein werden oder bereits waren.

Gestaltung von selbstorganisierten Teamzusammenstellungen

Beim dritten Thema ging es um die Frage der „Teamzusammenstellung bei Selbstselektion”: Eine größere Gruppe an Menschen (im Fallbeispiel 100 Mitarbeiter) findet sich selbstorganisiert in passenden Teams zusammen. Es wurde vorgeschlagen, dass die Projektleitenden ihre erste, zweite, usw. Wahl treffen, wodurch sich die Aufteilung am Ende selbst regulieren würde. Das schien aber ein noch zu großer Eingriff zu sein. Es wurde im Folgenden besprochen, dass man Developer gegebenenfalls nach ihren Fähigkeiten gruppieren und einzelnen Team zuordnen könnte.

Das Thema schien bei den Teilnehmenden einen Nerv getroffen zu haben, da es das einzige Thema an diesem Morgen war, bei dem am Ende beschlossen wurde, noch einmal fünf Minuten länger darüber zu reden. Man sollte auf jeden Fall – bei der Einführung einer fundamentalen Neustrukturierung der Teams – aufpassen, dass das Verständnis und die Akzeptanz der Mitarbeitenden berücksichtigt wird.

Abschließend wurde auch der Vorschlag gemacht, die Mitarbeitenden direkt zu fragen, in welchen Teams sie gerne arbeiten würden – wobei man natürlich ein Auge auf ein solches Vorhaben werfen sollte: im Hinblick darauf, ob die Mitarbeitenden von ihren Fähigkeiten her auch wirklich in das jeweilige Team passen.

Agile Projektführung auch ohne Scrum aufrecht erhalten

Das letzte Anliegen lautete: „Was macht man, wenn der Scrum Master das Projekt verlässt, wie erhält man Scrum aufrecht?” Als erste These wurde in den Raum geworfen war, dass, solange das Team „liefert”, die Stringenz der Methodenführung nicht so relevant sei. Jedoch wurde daraufhin gleich in Frage gestellt, ob das Team im Fallbeispiel noch Lust an der Sache hat, seitdem Scrum nicht mehr (zumindest grob) nach den Guidelines durchgeführt wird.

Als Lösungsvorschlag könnte man den Developern Verständnisfragen stellen, um ihr Verhalten zu ergründen und um dort Lösungsansätze zu finden. Ein naheliegender Ansatzpunkt wäre bei dieser Problemstellung auch einen retrospektiven Blick einzunehmen oder durch Zuhilfenahme älterer Retrospektiven, wertvolle Erkenntnisse zu generieren.

Fazit

Insgesamt war mein zweiter Lean Coffee wieder eine lohnenswerte und interessante Angelegenheit. Für mich und meine Projekte habe ich zwar diesmal leider keine konkreten Ansatzpunkte mitgenommen, aber das ist zugleich auch das Schöne an diesem Format: Es werden viele unterschiedliche Fragen besprochen, und zusätzlich hat man die Möglichkeit, sollte man eigene Projektprobleme haben, selbst Themen zu treiben und das Lean Coffee-Treffen zu gestalten.