Wir jetzt auch – erstes Lean Coffee im Berliner Büro


Mittwoch, der 26. Februar – es ist kurz nach 10 Uhr und ich hab mir meinen dicken Wintermantel angezogen und die Kapuze ins Gesicht gezogen, denn es hat zu regnen angefangen. Ich laufe die zwei Stockwerke von unserem Büro über den Hof und nehme unser provisorisches Wegeleitsystem aus A3-Ausdrucken mit der Lean-Coffee-Kaffeetasse wieder ab. Sie klebten am Eingang des Gewerbehofes in Kreuzberg in der Köpenicker Straße 154 und sollten unsere Gäste in unser Büro leiten. Das hat funktioniert, denn unsere Gäste haben uns gefunden und wir konnten mit ihnen gemeinsam unser erstes Lean Coffee für Projektmanager, Product Owner und Scrum Master in Berlin gestalten.

Rückblick

Das Jahr 2020 ist gerade 2 Wochen alt, da fragt mich Jens, mein Team Lead, ob ich nicht Lust hätte, für unseren Berliner Avenga-Standort ein Lean Coffee Event zu organisieren. Na klar! Mir gefällt das Format Lean Coffee, wir nutzen es bei unseren wöchentlichen Projektmanagement-Meetings hier in Berlin für Updates und Austausch in unseren Projekten und auf Company-Ebene. Lean, offen und entspannt mit gutem Outcome für alle Teilnehmer.
Außerdem wusste ich, dass unser Kölner Büro fester Bestandteil der Kölner Lean-Coffee-Kultur ist und regelmäßig Events am Dom abhält, hatte ich doch bereits diverse Posts, Tweets und Blogartikel gelesen und Kollegen davon berichten hören.
Nun würde ich die Möglichkeit haben, Lean Coffee, so wie ich es wöchentlich erleben darf, in die Berliner Welt der Projektmanager, Product Owner und Scrum Master zu tragen. Naja, nicht ich allein, denn an der Organisation unseres ersten Events waren viele fleißige Hände, kreative Ideengeber, erfahrene Veranstaltungsausrichter und engagierte Teamkollegen beteiligt.
Doch erst durch unsere heutigen Gäste – intern und extern – wurde unser erstes Lean Coffee hier in Berlin bei Avenga zum Erfolg.

Und so war’s

Wir als Berliner PM-Team hatten uns im Vorfeld der Veranstaltung bewusst entschieden, die Einladungen für unser erstes Lean Coffee in unserem persönlichen Netzwerk auszusprechen. Das heißt, wir haben partnerschaftlich verbundene Kunden gefragt, ehemalige Kollegen angesprochen und auch geschaut, für wen aus unserem privaten Umfeld die Sache interessant sein könnte.
Heute Morgen waren wir dann ein kleiner, feiner Kreis aus sieben Frühaufstehern und begaben uns, mit Kaffee, Kaltgetränken und Croissants ausgestattet, in unseren Konferenzraum “Köpenick” im zweiten OG.
Neben Köpenick haben wir auch noch Kreuzberg, Pankow und Hellersdorf unterm Dach – fast ganz Berlin also 😉
Unser Moritz, Senior Technical Consultant und Agile Coach, hat uns alle noch einmal herzlich willkommen geheißen, das Format Lean Coffee und die Regeln vorgestellt sowie das Oberthema der Veranstaltung bekannt gegeben: “Agile im Alltag”.
Gutes Thema, denn es bot viel Stoff und so überraschte es nicht, dass zahlreiche Fragestellungen und Diskussionsansätze ihren Weg auf die Post-Its fanden und wir eine große Auswahl im Backlog sammelten. Für mich war es wieder einmal interessant zu sehen, wie sich Fragestellungen und Erfahrungen im “agile Alltag” doch bei den meisten ähneln und wir alle in unserem Arbeitsleben mit verwandten Herausforderungen umgehen.
Die Entscheidung, welche Themen wir diskutieren wollen, war dementsprechend schwierig, jedoch kristallisierten sich “Spitzenreiter” heraus.

Home Office vs. osmotische Kommunikation

Ausgangspunkt der Überlegung war die ideale Platzierung des agile Teams an einem Ort, um Kommunikation und Wissenstransfer optimal zu ermöglichen. Wie aber mit der Flexibilisierung im Arbeitsleben zum Beispiel mit im Home Office oder gänzlich remote arbeitenden Teammitgliedern umgehen? Funktioniert diese Form der Zusammenarbeit? Und wenn ja, wie?
Ja, sie funktioniert. Jedoch zeigten die Erfahrungen, dass mehrere Faktoren wesentlichen Einfluss auf die erfolgreiche Zusammenarbeit haben. Die individuelle Persönlichkeit der remote arbeitenden Teammitglieder spielt dabei eine große Rolle und ob es dem Team gelingt, auch ohne räumliche Nähe ein “Wir-Gefühl” zu erschaffen und zu leben. Um diesen Teamspirit zu erzeugen, bedarf es einer Vision, eines Ziels auf das das Team gemeinsam hinarbeitet. Weiterhin stellten wir fest, dass eine Signifikanz zwischen Anzahl der remote arbeitenden Teamkollegen und Teamgefühl (inkl. der daraus resultierenden Meta Faktoren) besteht: so funktionierte es prima, wenn lediglich ein Entwickler seinen Arbeitsplatz an einem anderen Ort aufschlug. Moderne Kommunikationstools wie Chats und HangOuts ermöglichen einen fast direkten Austausch in der täglichen Zusammenarbeit. Aber alles können diese Tools dann doch nicht, denn Remote-Retrospektiven sind ein absolutes “NO GO”.

Hilfe, mein Kunde denkt, er ist agil…

Allein der Text auf diesem Post-It hat Applaus verdient, beschreibt er doch ironisch, womit alle Teilnehmer bereits Erfahrung gemacht haben. Schnell haben wir jedoch die eigentliche Fragestellung identifiziert: Was bedeutet denn agile? Und wie lebt man dies?
In all unseren Köpfen existieren teilweise recht unterschiedliche Antworten auf diese Fragen. Und genau hier sollte man bei der beginnenden Zusammenarbeit mit dem Kunden (aber auch im Team) ansetzen: gemeinsam mit den Beteiligten Ziele und Erwartungen, Rollen und Berechtigungen, Workflows und Tools abgeklopfen und erarbeiten. Für einen ersten Schritt. Denn wenn wir es schaffen, bei allen Involvierten ein Verständnis fürs agile Mindset aufzubauen und die agile Werte zu leben, wissen wir, dass nichts in Stein gemeißelt ist und jederzeit Anpassungen erfolgen können und werden – echt agile eben.

Und nun?

Auf einmal war es fast 10 Uhr. War die Zeit wirklich so schnell vergangen?
Wow, ich war beeindruckt. Beeindruckt von der Offenheit der Teilnehmer, mit der Erfahrungen geteilt wurden, beeindruckt von der entspannten Atmosphäre, in der wir uns austauschten. Und auch wow, weil es dann doch nicht ganz so lean war und wir lediglich zwei Themen schafften.
Aber hey, man muss doch auch noch besser werden können. Denn eins steht fest, Lean Coffee Berlin für Projektmanager, Product Owner und Scrum Master werden wir definitiv wiederholen.

Ich freu mich drauf!